Die Twitter-Filter der Parteien und was das mit Google und Facebook zu tun hat – Teil I

9 Dez

In den letzten Tag ging es auf Twitter rum und rund: die CDU und die SPD nutzen spezielle Event-Seiten von Twitter. Bei denen wird festgelegt, welche Inhalte über den Dienst verbreitet werden. Die SPD hat laut Konrad Lischka (SPIEGEL Online, @klischka) zugegeben, selbst eine Liste von Personen ausgesucht zu haben, deren Tweets auf der „offiziellen“ Seite auftauchen durften, während andere Tweets mit demselben Hashtag nicht angezeigt, ergo rausgefiltert, wurde [1].

Nun könnte man sagen „wer die Musik bezahlt, bestellt sie auch“, Twitter ist nun mal ein privater Dienst und damit ist alles in Butter. Kann man, muss man aber nicht. Denn eigentlich steht die Diskussion in einem größeren Zusammenhang, zu dem auch das Problem Google und das meiner Meinung nach noch viel größere Problem Facebook gehören: Es geht um die Frage der Herrschaft über die Kommunikation im digitalen Zeitalter.

Dazu hole ich mal ein wenig aus, auch wenn Euch das eigentlich allen klar ist.

Früher war alles ganz einfach. Man hat einen Brief, später ein Fax oder eine SMS geschrieben, der wurde von der Post, Telekom oder einem Mobilfunkprovider an den Empfänger gebracht und der Absender hat dafür bezahlt. Dem Übermittler der Information war egal, was drin stand auch (wenn nicht war es ein totalitäres Regime oder es gab ein rechtsstaatliches Verfahren) und alle Informationen erreichten den Empfänger relativ zuverlässig und gleich schnell oder langsam.

Jetzt wird alles anders. Die digitale Kommunikation bietet die Möglichkeit, ohne gigantischen Aufwand zu vernachlässigbaren Kosten die Informationsübermittlung zu steuern. Der Übermittler kann also steuern, ob die Information schnell oder langsam bei dem Empfänger ankommt, ob nur bestimmte Personen Informationen senden dürfen oder ob nur bestimmte Personen Informationen empfangen dürfen. Und damit erlangt der Übermittler von Informationen die Macht die Macht über den Kommunikationsprozess.

Und sie tun es jetzt schon. Facebook filtert Statusanzeigen, so dass man nur noch Bruchteile der Statusmeldungen der eigenen „Freunde“ zu sehen bekommt. Wer wählt sie aus? Facebook. Nach welchen Kriterien? Man weiß es nicht, aber wenn man doch von allen gesehen werden will, muss man zahlen. Man könnte es auch Erpressung nennen: entweder Du zahlst oder Du kommunizierst nur das, was wir wollen. Wenn man noch das Ziel von Facebook sieht, dass die Kommunikation, insbesondere alle Suchanfragen, nur noch über Facebook laufen soll, ist das ein eher unerfreuliches Konzept der Kommunikationsregulierung.

Google sortiert nach seinem Algorithmus die Suchergebnisse nach einer mathematisch berechneten Relevanz. Bisher sind davon aber noch bezahlte Anzeigen ausgeschlossen, möglich wäre es aber.

Und schließlich filtert Twitter Tweets. Das war schon bekannt, jetzt lässt sich Twitter aber wohl auch noch dafür bezahlen, dass sie Informationen nach Kriterien filtern, die von anderen vorgegeben werden.

Und wo ist das Problem?

Das Internet basiert nahezu ausschließlich auf Infrastrukturen, die in der Hand privater Unternehmen sind. Für die genutzten Kommunikationsdienste, insbesondere über das WWW, gilt dies nahezu ausschließlich, jedenfalls wenn man die Reichweite betrachtet. Das war und ist solange kein Problem, wie die privaten Unternehmen sich ausschließlich auf den Transport von Informationen unabhängig von ihrem Inhalt beschränkt haben. Inzwischen steuern sie aber die Informationen und das wird zu einem immer größeren Problem, je mehr sich der öffentliche Diskurs von der „realen Welt“ in die digitale Polis verlagert.

Morgen dann Teil II – Was man so juristisch tun könnte

[1] Das ist bestimmt total verkürzt und unter Umständen auch in den Details nicht zu 100% richtig, genügt aber für die Aussage des Texts. Es geht hier schließlich nicht um das Filtern durch die Parteien.

Update: Die @miinaaaa hat auch was zu den Event-Pages geschrieben, hier ihre Sicht der Dinge http://klingtkomischistaberso.wordpress.com/2012/12/09/interwebz-wir-mussen-reden/

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3 Antworten to “Die Twitter-Filter der Parteien und was das mit Google und Facebook zu tun hat – Teil I”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Interwebz, wir müssen reden. | Mina. - Dezember 9, 2012

    […] auch: hier oder  hier und hier (etwas kritischere Meinung, aber schön sachlich […]

  2. Das Hashtag-Desaster « Anders - Dezember 10, 2012

    […] Gesellschaft, die die Öffentlichkeit als verhandelbare Masse eines Marktes behandelt, müssen sich Twitter, Facebook, Springer und Google nicht anstrengen, um ihre profitorientierten Manipulationen anzubieten. Jeder, der auf diese […]

  3. Interwebz, wir müssen reden. | Frau Dingens - Dezember 30, 2012

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