Die Angst geht um

16 Okt
Mich kotzt es an. Ich bin nun noch nicht lange in Darmstadt, aber eines habe ich gemerkt: diese Partei hat Angst, nicht nur in Darmstadt. Ungeheure Angst. Wovor? Vor allem.
 
Wir haben Angst, einen Fehler zu machen. Jeder Vorschlag, der ein noch so kleines Risiko beinhaltet, wird klein geredet und dann abgelehnt. Es könnte ja bei unserem KPT jemand des Weges kommen, der schlechte Laune hat und die Hessische Flaggenverordnung kennt und uns dann anzeigt, dann müssen wir 20 € Bußgeld zahlen. Deshalb hängen wir lieber keine Flaggen am Flaggenmast auf. Und wenn, dann sollten wir vielleicht doch lieber beim Ministerium nachfragen, ob wir das dürfen.
Wir sollten auch nicht über Missstände beim KPT reden, weil ja irgendjemand von Missständen erfahren könnte und dann schlecht über uns berichten, so dass Christian Röwenstrunk nicht als Bürgermeister in Otzberg gewählt wird (wird er zwar sowieso nicht, aber er könnte zwei Stimmen weniger kriegen…).
Wir versuchen lieber gar nicht erst, Wahlplakate mal vollkommen anders aufzuziehen, nein, wir fragen schon gar nicht nach, ob Interesse besteht. Lieber machen wir alles so wie die anderen, nur eben ein klein wenig anders. Die Wähler der anderen Parteien könnten uns ja nicht wählen (tun sie in der Mehrzahl sowieso nicht, aber was soll’s). Lieber sehen wir so aus wie die Kopie von CDUSPDFDPGRÜNELINKE. Das beinhaltet ja kein Risiko. Und bevor wir ein Risiko eingehen, machen wir lieber nichts.
Wir haben Angst vor dem Wähler. Der Wähler in Person von Erna Körner, 89, (wohnt um die Ecke, wählt seit 65 Jahren CDU) könnte ja irgendwas, was wir tun, nicht so gut finden und über uns schimpfen und dann werden die gewonnenen guten Umfragewerte wieder schlechter. Also meiden wir jede Aktion und stellen uns brav nur nach Anmeldung mit einem Infostand in die Fussgängerzone, aber bitte, ohne zu stören. Wir werden zwar auch nicht wahrgenommen, aber was soll’s. 
 
Ich könnte noch so weitermachen, aber das würde mir endgültig die Laune verderben.
Wir sollten so langsam verstehen, dass wir keinen Pfifferling gebraucht werden, wenn wir alles machen wie alle anderen, uns aus Rücksicht vor der traditionellen CDU-Wählerklientel ganz brav an alle Vorschriften und Konventionen halten. Noch so eine Partei brauchen wir nicht und bei so etwas will ich auch nicht mitmachen. 
Der ganze Aufwand, den wir treiben, wird vollkommen für die Katz sein, wenn wir es nicht schaffen, aufzufallen. Und zwar nicht durch persönliche Querelen, sondern irgendwie positiv, unangepasst, anders. Nicht bei denen, die uns sowieso nicht wählen. Sondern bei denen, die nicht mehr zur Wahl gehen, weil sie das Parteiensystem genauso abstößt wie uns, weshalb wir die Piraten gegründet haben. Auch wenn das heißt, dass wir gegen eine Verordnung verstoßen, einen Infostand vor Ort als Demo anmelden oder irgendwelche neuen Ideen ausprobieren. Die ausgetretenen Pfade der anderen Parteien führen uns direkt dahin, wo die anderen sind. Und damit meine ich nicht das Parlament.
Und noch etwas: Umfragewerte sind Umfragewerte. Sie sind auch genauso viel wert: überhaupt nichts. Was zählt, sind Wahlen. Und die gewinnen wir nicht, indem wir uns ängstlich verstecken, um ja keinen Fehler zu machen. Sondern indem wir mutig und überzeugt auftreten, das Richtige zu tun. Lasst es uns tun!
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5 Antworten to “Die Angst geht um”

  1. Parnoia Oktober 17, 2012 um 9:18 am #

    Was mir bei der ganzen Thematik immer durch den Kopf geht:

    Wenn uns 80 % der Wähler hassen und nur 20 % gut finden, dann können wir mit 20 % ein Wahlergebnis erreichen, was höher ist, als alles jemals erreichte….

    Para

  2. Marc Oktober 17, 2012 um 9:50 am #

    Deinen Gedankengang finde ich spannend. Ich würde ihn aber un eine Überlegung ergänzen. Die Piraten haben keine Angst bei Twitter, in Blogs etc…da kracht es, da werden wirre Idee, Meinungen von Trollen und fürchterliche Kämpfe ausgefochten. In der Kombination kommen die Piraten bei mir aktuell als ein zerstrittener Haufen an, bei denen es darum geht möglichst laut zu schreien, sich um Pöstchen zu streiten und online eine Fahne hoch zu halten, die ich aktuell nicht mehr sehe. Zu viele Köpfe sind im Weg. Themen statt Köpfe fände ich mal wieder sehr nett. Ihr habt viele Inhalte, die wichtig und unterstützenswert sind. Holt sie nach vorne, statt euch zu zerfleischen.

  3. lucyrenard Oktober 17, 2012 um 5:16 pm #

    Ich kenne mich in der deutschen Politik zwar nicht so gut aus (sie ist jedoch lustiger anzuschauen, als die in Österreich: hier unten scheint man nichts Anderes zu tun, als Affären aufzudecken und Untersuchungen zu unternehmen). Die Piraten kamen mir zunächst so recht erfrischend vor, wobei ich mit dem Namen selbst nicht so richtig anfangen kann – ein Parteiname ist doch immer ein Message, und auch wenn sie die besten Seiten des Begriffs „Piraten“ betonen wollen (kA,, Peter Pan vielleicht), es ist trotzdem viel zu unreif, viel zu schreiend und kindisch. Und so erscheint auch ihre politische Linie. Viel Lärm und viel Mitmachen, aber so richtige Initiativen, die man wirklich irgendwo irgendwann mal verwenden könnte – das sehe ich nicht. Aber wie gesagt, vielleicht sieht man es aus Österreich nicht so gut 😉 Jedenfalls, danke für den Artikel, War interessant zu lesen.

  4. Amadeo Oktober 18, 2012 um 3:12 pm #

    Du hast in allem völlig recht, Alter!

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  1. Die Angst geht um | Piraten | Scoop.it - Oktober 17, 2012

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